Haus der Demokratie – Weimar

In Weimar wird durch Um- und Erweiterungsbauten das Haus der Weimarer Republik entstehen, auf der  Vorgängerbebauung Zeughaus und Wagenremise,  ersteres 1753 errichtet, letztere 1823 entstanden, in einem Quartier am westlichen Stadtrand von Weimar im Bereich der Stadtbefestigung bzw. des 1453 eingerichteten und 1553 aufgehobenen Franziskanerklosters. Ein  Ort demokratischer Erinnerungskultur und politischer Bildung, Ausgangspunkt  für die Erneuerung des Quartiers für Geschichte, Kunst und Wohnen am Zeughof und in der kleinen Stadt mit Weltruf.

Bauen im Raum

Das Gebäude liegt zwischen dem mehr öffentlichen  Theaterplatz mit Goethe-Schiller-Denkmal und Deutschem Nationaltheater  und dem inneren Quartierszentrum des ehemaligen Zeughofes, zwei Außenraumbereiche mit individuellen Stimmungen.

Verbunden werden die zwei Bereiche als zusammenhängendes Geflecht derzeit durch  einen stark frequentierten Fußweg an der südlichen Seite des Hauses der Weimarer Republik entlang der Franz Liszt Hochschule für Musik zur Geleitstraße und Rittergasse mit schönen Sichtachsen vom Quartiersinneren auf die Stadt. Zum einen Richtung Osten zum Kirchturm der Stadtkirche St Peter und Paul, zum anderen von der Geleitstraße kommend sieht man schon früh die Silhouette des deutschen Nationaltheaters hinter dem Haus der Demokratie, die diesen Fußweg bestimmt.

Das eigentliche Abenteuer der Aufgabe besteht darin, die stimmige architektonische und urbanistische Antwort zu geben auf die Notwendigkeiten der inhaltlichen Bauaufgabe und der städtebaulichen Situation. Alle guten Gründe finden, das hier eher so zu machen und nicht anders, mit Sinn und Sensibilität, gut gesetzt und dosiert, strukturell entwickelt aus den kontextuellen Gegebenheiten, wahrnehmbar vom Theaterplatz und stimmiges Teil der inneren Stadtlandschaft des Zeughausquartierensembles.

ARCHITEKTUR

Dieser Entwurfsbeitrag basiert auf  dem Prinzip des Weiterbauens und sucht nicht die absolute Provokation mit einem Glasobjekt. Der denkmalgeschützte Gebäudeteil des ehemaligen Zeughauses wird vollständig erhalten und dient als Sockel der ganzen Bauplastik.Die einzelnen zeitlichen Bauabschnitte sind ablesbar, der Erweiterungsbau zum Zeughofplatz ist eine poetische, zeitgemäße, metaphorische Interpretation des ehemaligen spätbarocken Zeughauses.

Das bestehende denkmalgeschützte Zeughausmauerwerk wird vertikal erweitert durch eine Gebäudesilhouette, die vom Theaterplatz sichtbar ist, und  sensibel und mit Respekt den Dialog  eingeht mit der Traufenhöhe der ehemaligen Kunsthalle, mit der Dreigeschossigkeit der Franz Liszt Hochschule für Musik und dem Gebäude Böttchergasse 9, dem Künstlerhof. Somit entstehen auch verschieden hohe Innenräume als Reaktion des Dialoges mit dem Außenraum. Die ehemalige Dreiteilung im Innern wie im Äußeren wird dadurch auch neu interpretiert.

Die äußere Erscheinung des Erweiterungsbaus am Zeughofplatz wird bestimmt durch das Spiel von  für diesen historischen Kontext großzügig dimensionierten offenen Fassadenflächen,  geschlossenen Fassadenflächen und zeitgemäßen Interpretationen des ehemaligen Zeughauses.

Die niedrigeren südlichen und nördlichen Silhouettenteile führen die Traufenhöhe der Kunsthalle  weiter und passen sich der Dreigeschossigkeit der Franz Liszt Musikschule und dem Künstlerhaus Böttchergasse 9  an.

Der Mittelteil, teilweise auskragend gibt dem Theaterplatz ein Zeichen und interpretiert den ehemaligen Mittelrisalit als vorspringendes Gebäudeteil. Das Gebäude wird hiermit nicht nur Platzbegrenzung, sondern integrierter Bestandteil des Zeughausareals.

Die ehemalige Dreiteilung ist deutlich zu spüren und jeweils kontextuell ausgeprägt.

Der südliche Teil an der Seite der Musikschule ist ein transparenter Glaskristall, der die Blickbeziehung zur Silhouette des Nationaltheaters freihält, eine Blickbeziehung die dem Weg seine Einzigartigkeit und Identität gibt. Die erhaltene erweiterte Blickbeziehung wirkt positiv im Stadtgefüge.

Das im Obergeschoß vorspringende Mittelrialit zeigt auch mit einer großzügigen Öffnung seine Orientierung zum Platz.

Es ist eine zeitgemäße Lochfassade in Anlehnung an die Lochfassade des ehemaligen Zeughauses.

 

Funktionen

Von der Funktion und inneren Organisation her enthält der offene Raum hinter den alten Zeughausmauern ein kleines Foyer mit dem Cafe an der nördlichen Seite zum Künstlerhof, hier können durch eine Außenterrasse Synergien mit dem Leben im zukünftigen Quartier insbesondere mit den Künstlerateliers entstehen.

Entlang des Shops geht man dann in den Glaskristall hinein der die Stiegen zum Erdgeschoß und zum ersten Obergeschoß enthält. Er ermöglicht durch seine Transparenz die Wahrnehmung der Stadtsilhouette des Theaterplatztes als ientitätsstitende Sichtachse auf dem starkfrequentierten Fußweg am Zeughausplatz. Er ist aber auch ein wunderbarer Übergangsraum zwischen den beiden Austellungsbereichen, so entsteht eine abwechslungsreiche architektonische Promenade beim Gang von einem Ausstelungsraum zum anderen.

Ab dem ersten Obergeschoß im kristallinen Übergangsraum  kann man sich dann entscheiden, ob man die Daueraustellung im Mittelteil der Aufstockung erschließt oder die Wechselausstellung im Bestand der Kunsthalle mit offenem Glasdach und geeignet für Sonderaustellungen.

Die Lagerräume des Museumsbereiches sind im südlichen bestehenden Seitenschiff des Bestandsbaus untergebracht. Eine Anlieferung ohne Störung des Betriebes ist hier möglich. Das alte Lager an der Nordseite wird abgerissen und ersetzt durch eine seitliche Erweiterung für einen zusammenhängenden Bürobereich.

Der Ausstellungsbereich für dauerhafte Präsentation ist ein offenes Raumkontiuum über zwei Geschoße mit mehreren zusammenhängenden Räumen, das Ende der Promenade erlaubt den Blick zurück zum Theaterplatz. Großzügige Öffnungen lassen einen spüren, in welch einer wunderbaren Stadt man sich gerade befindet.

Der Weg zurück entlang des Shops führt zurück zum Zeughausplatz nach außen oder direkt ins Cafe offen zum Platz und zum Künstlerhof.

Auf dem Geschoßniveau des Zeughauses sind Garderobe und Nasszellen untergebracht im Bestand unter derm Wechselaustellungsbereich. Die Nasszellen sind gemeinsam nutzbar durch die Austellungsbesucher und das Personal des Verwaltungsbereiches.

Die restlichen Büros sind in einem seitlichen eingeschossigen Neubautrakt untergebracht. Durch die Öffnung der Seitenwand des Wechselaustellungsbereiches steht der Bürotrakt im Dialog mit den Austellungsbereichen, die Teeküche kann im Sonderveranstaltungsfall mitbenutzt werden, der Bürotrakt wird zum Museumsverwaltungsbereich. Der Multifunktionsraum ist im Untergeschoss untergebracht und bekommt natürliches Licht über Oberlichtglasbänder. Treppe und Lift verbinden beide Geschosse, im Untergeschoß ist der Zugang zu den Naßzellen und dem Lager.