St. Hedwigs-Kathedrale  am Bebelplatz in Berlin

Der Realisierungswettbewerb soll neue qualitativ hochwertige Lösungen aufzeigen, die die aktuellen baulichen Defizite bei der Feier des Gottesdienstes beseitigen und der neuen Aufgabe als Sitz eines Erzbistums Rechnung tragen. Seit 1930 ist die katholische St. Hedwigs Kathedrale Bischofskirche.

Daraufhin erfolgte die Neugestaltung durch Architekt Prof. Clemens Holzmeister. Im zweiten Weltkrieg wurde diese zerstört und nach dem äußeren Wiederaufbau nahm sich Prof. Dr. Hans Schwippert der inneren Neukonzipierung an, die heute nicht mehr die Erneuerung aus dem Geist des zweiten vatikanischen Konzils ausstrahlt.

Evangelii Gaudium

berlin ansicht neu

Der Heilige Vater Papst Franziskus und sein apostolisches Schreiben

Der heilige Franz von Assisi steht für Gerechtigkeit, für den sensiblen Umgang mit der Schöpfung, für Toleranz zwischen den Religionen .Papst Franziskus steht für ein bescheidenes Leben, für eine Kirche nahe beim Menschen, die jede Distanz abbauen will. Diese erneuerte Kirche steht für Freude und Optimismus beim Evangelisieren, für Dezentralisierung und Stärkung der Ortskirche und gegen das Verharren in Bequemlichkeit und Verschlossenheit. Eine Kirche für die Armen und der Teilhabe aller Gläubigen. Liebe und Barmherzigkeit ist zentral für die Anerkennung der Würde des Menschen. Papst Franziskus verleiht der Kirche ein neues Gesicht, näher am Menschen, volksnah und mit neuem spirituellem Impuls. Eine menschennahe Kirche und keine pompöse Kirche, eine verantwortungsbewusste Kirche aller Gläubigen, die für die Evangelisierung gebraucht werden.

Die Architektur der St. Hedwigs Kathedrale ist das sensible Gefäß, Hülle und  Hintergrund der lebendigen Weltkirche. Der Ort, an dem die Schönheit der heilbringenden Liebe Gottes erlebbar ist, die sich im gestorbenen und auferstandenen Jesus Christus offenbart hat. Nicht pompös, sondern ein erhabener, feierlicher, heller, stimmiger   Raum zur Einstimmung auf die heilige Messe, auf das Geheimnis, auf die unaussprechliche Größe des Glaubens.

Architektur

Die St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin wurde nach dem Vorbild des Pantheon in Rom erbaut. Obwohl der Innenraum als reiner Zentralraum ausgebildet ist, wird die Längsachse der Erschließung auch im Innenraum betont. So auch geschehen bei Clemens Holzmeister mit dem Tabernakel in der kleinen Kapelle. Bei Schwippert wird die vertikale zentrale Achse betont. Die starke Längsachse Holzmeisters sowie die offene Vertikalität Schwipperts zerstören die Kommunio, die Gemeinschaft mit Gott, der in der Mitte des Volkes präsent sein soll. Zwischen Weihwasser und Taufwasser spannt sich nun der neu konzipierte Kirchenhauptraum der St. Hedwigs Kathedrale. Bescheiden, feierlich, hell, erhaben, ein heiliger Ort für die Menschheit. Eingetaucht in einem goldenen Licht und den Gerüchen des Weihrauches erhebt sich hier das Herz empor zu Gott, zum offenen Himmel.

Betrachtet man den neuen Hauptraum im Grundriss, so erscheint ein Kelch mit einer Hostie als Bild, Metapher für das Opfermahl, der heiligen Kommunion, der persönlichen Vereinigung mit Jesus, mit Gott. Die Vision eines heiligen Raumes, in dem alle , Priester und Volk, Mönch wie Schwestern, alle Himmelsbewohner, Engel und Heilige unter der Leitung der himmlischen Mutter Maria die heilige Messe würdig feiern können wird hier entwickelt. Raumform, Funktionsorganisation, Material- und Farbkonzept, natürliche und künstliche Lichtführung,  Akustik, Weihrauch und Kerzen dienen der Annäherung an das Mysterium der Dreifaltigkeit.

Architektur

Das gläubige Volk, der Altarraum und die Musik bilden eine räumliche Einheit. Durch das Schließen des Loches und die Einführung einer hostienförmigen 3m hohen schwebenden Empore im südlichen Bereich für Chor, Orchester und Orgel wird im Erdgeschoß ein Ort innerhalb des Hauptraumes frei für den Tabernakel. Eine Kapelle mit satiniertem Glas, nahe am Altar und Volk, auf der die Chorgesänge mit den Heiligen und Engeln das Volk zum Himmel öffnen.

Die eher niedrige Empore bringt die Nähe zum Volk und macht den Dirigenten für jeden sichtbar, denn alle Gläubigen sollen doch singen, so wie alle Gläubigen an der Evangelisierung teilnehmen sollen, das ist der neue Geist des heiligen Franziskus. Freude am Evangelium. Beim Eintreten in den Hauptraum spürt man sofort die Kommunio, das ewige Licht ist bei uns und nicht in einer hinteren Kapelle, die Längsachse wird geschwächt, die Gemeinschaft gestärkt unter der golden leuchtenden, glatten Kuppeloberfläche, die im goldenen Licht erstrahlt.

In der achteckigen kleinen südlichen Kapelle ist nun das Taufbecken situiert. Das Achteck steht für die Neuerschaffung der Welt. Wer getauft wird, wird in Christus neu erschaffen .Diese frühere Symbolik wird hier wieder aufgegriffen und für eine Kathedrale würdiges Baptisterium ist so entstanden. Die ehemalige Mitte unter der Rotunde bleibt frei für ein Glasdach zur Belichtung der Unterkirche. Es ist nun der Ort, an dem die runde Hostie zum Licht erhoben wird, an dem die heilige Eucharistie vollzogen wird. Hier treffen Natursymbolik und Glaubenssymbolik wieder aufeinander.

Es entsteht somit eine vertikale Achse zwischen dem Ort der Eucharistie in der Unterkirche, dem Ort der Eucharistie der Oberkirche und der Laterne am Dach als Symbol der heiligen Dreifaltigkeit.