Wohnsiedlung in der Hauptstadt der Ardennen

Fährt man von der „ rue d`Ettelbruck „ hinunter in die Hauptstadt der Ardennen, so sieht man rechts in die Talsenke der „ rue des pecheurs „. Der erste Eindruck der anschließenden sichtbaren nordwestlichen Bebauung wird hauptsächlich geprägt durch diffuse, willkürliche Rückanbauten der höher liegenden Straßenrandbebauung an der „ rue de la Fontaine“, die sich organisch an die bestehende Landschaftsstruktur angepasst hat. Die Rückseite jedoch ergibt kein schönes Stadtbild .

Diese Rückseite wurde von den Bewohnern als Gartenseite genutzt. Das starke Gefälle machte es notwendig, ebene Gartenflächen mit Stützmauern zu sichern.

die Besonderheit des Ortes

Auf den zweiten Blick erkennt man aber sofort die Besonderheit dieses Ortes im Sinne einer starken Identität. Das hier sichtbare Stadtbild um das Grundstück herum wird nicht nur bestimmt durch die terrassenförmig und jetzt heruntergekommenen Gartenebenen mit kaputten Mauern und der diffusen Rückseitenbebauung, sondern auch durch den Turm der Wiltzer Kirche aus dem Jahre 1728-1792 und in Sichtweite die Dachsilhouette des Wiltzer Schlosses mit Bauphasen aus dem 14ten, 15ten und 16ten Jahrhundert.

Man sieht im Umfeld viele Häuser aus dem 18 ten Jahrhundert. Es sind traditionsreiche Häuser mit Geschichte und besonderem Flair. Die heutigen Einfamilienhäuser waren früher von mehreren Familien bewohnt. Enge Gassen, wo im Mittelalter meist nur ein Fuhrwagen hindurchfuhr, sind an manchen Stellen noch erhalten. Das ist fast an allen Ecken von Wiltz zu spüren.

Die Geschichte und Identität der Hauptstadt der Ardennen wird hier sichtbar. Der Name Wiltz kommt aus dem Keltischen und bedeutet am Bach, das Grundstück liegt unmittelbar in einem ruhigen Naturraum an einem Weiher.

Die heutige Gemeindeverwaltung der Stadt ist die ehemalige Villa Thilges. Sie wurde um 1880 erbaut, und gehört zu den historischen Gebäuden von Wiltz. Mit monumentalem Charakter im Palladiostil und roten Sandsteinfassaden.

In Wiltz gibt es noch einige bürgerliche Villen wie z.B. die ehemalige Villa der Gebrüder Simon die früher im Lohhandel beschäftigt waren. Mitten in der Ortschaft zwischen Wiltz und Niederwiltz entstand der sehenswerte Park Simon.

Das Wiltzer Ginsterfest ist eines der größten und schönsten Folklorefeste Luxemburgs, Toni Mander ein Photograf aus Wiltz gründete 1948 zusammen mit einigen Freunden, denen die Natur und die Heimat sehr am Herzen lagen und von Musik, Gesang und Folklore begeistert waren, das Ginsterfest. Es wird jedes Jahr während des Pfingstmontages veranstaltet. Um diese Zeit strahlt jeder Hang im Ösling in goldgelben Glanz des Ginsters.

Architektur und Städtebau

Das eigentlich Besondere dieses Bauplatzes ist, dass er als rückwärtiger Garten für die Straßenrandbebauung fungiert hat. Stützmauern ermöglichten terrassenförmige Gartenebenen. Die Hinterfassaden sind willkürlich und chaotisch entstandene Fassaden, im Gesamtbild erscheint jedoch eine prägnante Typologie auf, nämlich ein schmaler hoher Baukörper mit Satteldach, der auch in der Altersheimanlage aufgenommen wurde.

Auf der Suche nach dem fehlenden Puzzleteil und einer zeitgemäßen Interpretation ist die Idee entstanden, 3 villenähnliche Baukörper zu konzipieren, verteilt auf die 5 vorgesehenen Parzellen im einem vorhandenen Maßstab und Körnung. Sie sorgen für eine Durchlässigkeit der Parzellen von Nord nach Süd, die einzelnen Häuser nehmen die Fluchten der Stadtstruktur auf.

Wichtig war die Konzeption der Erschließung einer Tiefgarage, damit Erdgeschoßwohnungen am Weiher ermöglicht wurden.

Die Erschießung mit Pkw erfolgt seitlich über eine Rampe über die Parzelle 42/1507 und dem Zugangsrecht über die Parzelle 42/4646. So bleibt der südliche Raum frei für Fußgänger, spielende Kinder, Radfahrer und Mütter mit Kinderwagen. Vorallem aber entsteht eine Adressbildung ohne banale Garagenarchitektur.

Die Zwischenräume sind gemeinschaftliche Treffpunkte, Kleinkinderspieleplätze und Erschließungsraum zugleich.

Vertikale Gärten

Die Architektur spielt mit den vorhandenen Gegebenheiten. Der ehemalige Garten erscheint jetzt als vertikaler Garten,  und die Typologie des schmalen Turms wird modern nochmals interpretiert und stellt einen stimmigen Dialog her zwischen dem Altersheim und dem südlichen Turm. Das Material Holz wird verwendet als Anspielung an eine Gartenlaube.

Ein stimmige Gesamtsilhouette entsteht, eine neue Einheit  der Gegensätze, Altersheim, Wohnsiedlung und vorhandene nördliche prägnante Typologien. Die vorhandene Wand auf dem nördlichen Grundstück wird weitergeführt kontra eine terrassierte Bebauung.

Das einstige Grundstück bestand immer aus Stützmauern, die im Gefälle eine ebene Gartenebene ermöglichten.Dieses Thema nehmen die Baukörper auf. Es sind jeweils Wandmembranen zwischen denen sich der nun vertikale Garten spannt. So entsteht eine Typologie, die die vorhandene Atmosphäre des Ortes als Gartenanlage nochmals als vertikale Gärten verstärkt.

Die drei Geschosse mit einem zurückversetzten Obergeschoss zitieren die Schlossfassade aus dem 16 ten Jahrhundert mit drei Geschossen und einem zurückversetzten Dachgeschoss, auch die hochstehenden Fensterproportionen werden vom Schloss zitiert. Die terrassenbildenden  Einschnitte erinnern an die eckigen Fensterrahmen des Schlosses. Insgesamt also drei Villen, eine alte Wiltzer Tradition.

Raumhohe Verglasungen und Terrassentüren sorgen für ein großzügiges Raumgefühl. Alle privaten Terrassenbereich und Loggien partizipieren an der herausragenden Rundumsicht und haben üppige Vegetationen, ein Gartenprojekt für Künstler wie bei nahen südlich gelegenen „jardin de Wiltz“.

Die gelben Schiebeelemente sorgen für Sonnen- und Blendschutz und stehen für die lebendigen Blüten des Ginsters.

Insgesamt entstehen hier 21 Wohnungen in ruhiger Lage am Rand der Stadt und in der Natur.